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Kompressionsversorgung

Die Kompressionsversorgung der Extremitäten geschieht mittels Strumpfhosen und Kompressionsstrümpfen. Zur Herstellung derselben gibt es grundsätzlich zwei Verfahren.

Rundstrick-Verfahren:

„Rundgestrickte“ Kompressionsstrümpfe ohne Naht wie z. B. der mediven elegance werden in erster Linie bei Venenerkrankungen eingesetzt. Diese Art der Kompressionsstrümpfe wird mit gleichbleibender Maschenzahl über die gesamte Länge und mit variierender Maschengröße gefertigt. Diese Kompressionsstrümpfe sind sehr dehnbar (Langzugstrümpfe) und haben im Vergleich zu flachgestrickten Kompressionsstrümpfen einen niedrigeren Arbeitsdruck.

 

Flachstrick-Verfahren:

„Flachgestrickte“ Kompressionsstrümpfe mit Naht werden Reihe für Reihe gestrickt. Im Gegensatz zu Rundstrickmaschinen ist das Nadelbett der Maschine nicht im Kreis, sondern flachliegend angeordnet. Dieses Verfahren ermöglicht es, dass jederzeit Maschen zu- oder abgenommen werden können, anstelle die Maschengröße zu variieren. Flachgestrickte Kompressionsversorgungen können so der individuellen Anatomie optimal angepasst werden. Das Fertigungsverfahren bringt es mit sich, dass die einzelnen Kompressionsstrumpfbestandteile separat gefertigt und anschließend mit einer Naht zu einem Strumpf vernäht werden. Das Gewebe flachgestrickter Kompressionsstrümpfe ist relativ gering dehnbar (Kurzzugstrümpfe) und weist einen hohen Arbeitsdruck auf. Dadurch setzen flachgestrickte Kompressionsversorgungen dem Gewebe einen höheren Druck entgegen als rundgestrickte. Aus diesem Grund sind sie die Kompressionsversorgung der Wahl bei Lip- und Lymphödemen.

Wichtig für den therapeutischen Erfolg der Kompressionstherapie ist die Unterscheidung von Ruhe- und Arbeitsdruck Als Ruhedruck wird derjenige Druck bezeichnet, den der Strumpf ausübt, wenn die bestrumpfte Extremität nicht aktiv ist. Der Ruhedruck entspricht der Kompressionsklasse. Verschiedene Strumpfqualitäten (fein/mittel/grob) der gleichen Kompressionsklasse haben immer denselben Ruhedruck. Je höher die Kompressionsklasse ist, desto höher ist der Ruhedruck, der ausgeübt wird. Arbeitet die Muskulatur der bestrumpften Extremität, dehnt sie den Strumpf aus, worauf dieser einen Gegendruck, den Arbeitsdruck, ausübt. Je feiner eine Strumpfqualität ist, desto geringer ist ihr Arbeitsdruck. Je robuster diese ist, desto höher ist ihr Arbeitsdruck. Verschiedene Strumpfqualitäten (fein/mittel/grob) der gleichen Kompressionsklasse weisen also einen unterschiedlichen Arbeitsdruck auf. Ein hoher Arbeitsdruck ist besonders bei schweren Indikationen wie dem postthrombotischen Syndrom wichtig. Durch den hohen Arbeitsdruck wird erreicht, dass die Muskulatur in die Tiefe drückt und den Querschnitt der tiefen Venen verringert. Speziell bei der Versorgung von Lymph- und Lipödempatienten ist ein hoher Arbeitsdruck unverzichtbar. Bei Bewegungen wird Arbeit geleistet. Trägt ein Bein einen Kompressionsstrumpf, dann muss auch dieser Arbeit leisten. Wird der Fuß beim Schritt abgerollt, dehnt die Bewegung des Sprunggelenks den Strumpf in Längsrichtung, die Schwellung des Wadenmuskels dehnt ihn quer. Das Bein arbeitet gegen den Strumpf. Der Strumpf aber, indem er sich der Bewegung widersetzt, arbeitet gegen das Bein. Er folgt dem Bein in den Ausgangspunkt mit der Kraft, die er bei der Rückfederung zurückgeben kann.

In beiden Fällen übt der Strumpf – wie jede andere elastische und auch eine sich nicht dehnende Bandage – Druck auf die Oberfläche der Gliedmaßen aus.

Aus dieser Darstellung wird eines deutlich: Grundlegende Voraussetzung für die Wirksamkeit der Kompressionstherapie ist Bewegung, da nur die Bewegung der Muskelpumpe zusammen mit einer wirksamen Kompression einen Therapieerfolg sichern kann. Die Andruckstärke im Fesselbereich ist ausschlaggebend für die Einteilung von medizinischen Kompressionsstrümpfen in die vier zur Verfügung stehenden Kompressionsklassen.

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